Angebote 22. Januar 2020

Auch in dieser Woche möchte ich Ihnen – Ihr Interesse vorausgesetzt – wieder drei Bücher vorstellen, die in kleinen Stückzahlen noch in der Print-Version verfügbar sind.


Beginnen wir mit einem jener seltenen Bücher, deren Titel mit einer in Ziffern geschriebenen Zahl beginnt:

44 Tage mit Paul

Rainer Buck kam vor zehn Jahren mit seinem Manuskript zu mir. Der „christliche Verlag“ bei dem er ursprünglich gehofft hatte, das Buch unterzubringen, hatte abgelehnt.

Es ist aber auch eine vertrackte Geschichte, die er da erzählt.

Natascha, die junge, emanzipierte, voll im Leben stehende Lehrerin für Englisch und Sport, wacht eines Morgens im eigenen Schlafzimmer neben Paul auf – und hat nur vage Erinnerungen, wie er dahin gekommen sein könnte.

Das alleine ergäbe noch keine Geschichte von besonderem Interesse. So etwas soll öfter vorkommen und hinterlässt in der Regel keine dauerhaften Spuren. Doch Paul ist anders.

Nein, Paul ist nicht schwul. Paul ist anders.
Paul ist religiös. Paul betet, Paul besucht Gottesdienste – und weil er seine eigene Wohnung aus christlicher Nächstenliebe – oder auch einfach nur weil er nie „nein“ sagen kann – einem jungen Paar überlassen hat, denkt er nicht daran, den Schlafplatz bei Natascha aufzugeben.

Über das, was sich daraus entwickelt, hat der Autor in einem Nachwort geschrieben:

Ich wollte einige meiner Gedanken in eine einfachere, schnörkellose und dem auf dem Buchmarkt vorherrschenden Formatzwang besser „angepasste“ Geschichte verpacken. Gleichzeitig gestattete ich mir das Experiment, aus der Perspektive einer weiblichen Hauptperson zu schreiben.  

Die Geschichte entwickelte jedoch ein Eigenleben! Am Ende war ich über die Story glücklich, hatte aber das Gefühl, mich mit der Mischung aus lockeren Tönen und der ernsthaften Behandlung von Sinnfragen mehr noch als bei „Aljoscha“ zwischen die Stühle gesetzt zu haben. Hinzu kommt, dass meine Heldin Natascha doch etwas unverblümt das Christentum hinterfragt. Da ich als Autor eigentlich die Absicht habe, mit meinen Büchern durchaus die eigene christliche Glaubensfreude  weiterzugeben, fragte ich mich, was ich Natascha alles gestatten dürfe, ohne sie als Schöpfer ihrer Person und ihrer Geschichte durch einen wuchtigen Schlag eines göttlichen Vorschlaghammers zur Räson zu bringen.

Natascha hat mich – zugegeben – etwas um den Finger gewickelt, aber ich spüre eine innere Gewissheit: Das soll so sein!   

Es sind im Grunde zwei Bücher geworden – je nachdem, wer die „44 Tage mit Paul“ in welcher Stimmung und Erwartungshaltung liest.
Das eine Buch ist eine Burleske, die den Leser bis zum Schluss in einer grinsenden Vorfreude auf die nächste unvermeidliche Panne in der Beziehung zwischen Natascha und Paul hält und diese Erwartung Schlag auf Schlag auch erfüllt.
Das andere Buch ist ein Irrgarten, dessen gewundene Wege und zahlreiche Sackgassen dazu führen, dass Atheisten und Bibelgläubige gleichermaßen ins Grübeln geraten und dabei ein Stück „Selbsterfahrungsarbeit“ leisten können.


10 Exemplare der Taschenbuchausgabe zum unveränderten Preis von 10,85 Euro (ggfs. zzgl. Versandkostenpauschale, sh AGB) sind noch auf Lager.


Der zweite Titel, den ich heute vorstelle, ist ein klassischer Roman, ganz ohne missionarischen Eifer.

Wer weiß schon, wie tief der Fluss unter der Brücke ist?

Wer ernsthaft schreibt, gibt immer auch etwas von sich selbst preis, auch wenn das Buch nicht als Autobiografie in die Welt gesetzt wird. Manfred J. Schmitz beginnt das Buch mit diesem prägenden Erlebnis seiner Kindheit, als er nämlich hoch hinauf gestiegen ist, auf die Eisenbahnbrücke

Als Jos Klostermann den grünen Bogen der Eisenbahnbrücke hinaufkletterte, erstarb das Geschrei am Ufer. Einige Kinder hielten den Atem an. Die flirrende Luft schien still zu stehen, als der Fünfjährige die höchste Stelle der Brücke erreicht hatte. Staunend blickte der sommersprossige Junge mit den rotblonden Haaren nach unten. Erst jetzt wurde ihm bewusst, wo er stand. Ein leichter Schwindel erfasste ihn. Er spürte, wie die Hitze des Eisens in seine nackten Füße brannte. Die Beine zitterten. »Ich werde von der Brücke springen«, hatte er noch vor wenigen Minuten mit trotziger Stimme unten am Ufer gesagt. Die Jüngeren hatten ihn ungläubig angestarrt, die Älteren überlegen gelächelt. »Großmaul!« hatte ein Junge gerufen und ihm den Vogel gezeigt, »Angeber!« ein anderer und eine abfällige Handbewegung gemacht. Ewald Lassberg, der ein Jahr älter war als Jos Klostermann, hatte ihn gebeten: »Tu es nicht, Jos, das ist zu gefährlich! Da ist noch keiner von uns runtergesprungen.

Niemand weiß, wie tief der Fluss unter der Brücke ist. Außerdem kannst du rückwärts auf die Schienen fallen. Nicht!«Trotzig hatte Jos Klostermann geantwortet: »Ich springe, meinst du etwa, ich habe Angst?« Ewald hatte verlegen zu Boden geschaut. »Spring! Spring!«, intonierte ein Chor von Jungenstimmen drängend. Aber hier oben zu stehen war etwas anderes, als sich unten am Ufer wichtig zu tun. Jos Klostermann war verwirrt. Plötzliche Angst lähmte seinen Willen. Sollte er wirklich springen? Er spürte, dass von dem dunklen, träge dahinfließenden Wasser eine Bedrohung ausging. Die kleinen Wirbel, die wie auf Geheiß eines unsichtbaren Wassergeistes auf der Oberfläche tanzten, schienen ihn wegen seiner Angst zu verspotten. Was sollte er tun? Er atmete tief ein. Und noch einmal. Plötzlich fühlte er sich frei von Angst. »Jetzt!«, spornte er sich an. »Jetzt werde ich springen.« Und dann sprang er wirklich in den Fluss, ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden, begleitet von den Schreien der anderen Kinder, die aufgeregt am Ufer der Lippe auf und ab hüpften. Er spürte den warmen Luftzug und den Aufprall eines Käfers auf der Stirn. Die Füße trafen auf das Wasser. Körpergewicht und Erdbeschleunigung drückten ihn nach unten. Er sank tiefer und tiefer, bis seine Füße weichen Schlick berührten. Als er nach oben getrieben wurde, die immer heller werdende Oberfläche vor den weit aufgerissenen Augen, frohlockte er. Er reckte den Kopf aus dem Wasser und schnappte gierig nach Luft. Er streckte die Arme hoch und stieß einen heiseren Schrei aus, in dem der Triumph die Angst besiegt hatte. Er hatte es geschafft. Er war gesprungen. Er hatte es allen gezeigt! Mit wilden Schlägen, das Wasser peitschend, wie er das bei den älteren Jungen gesehen hatte, versuchte er, ans Ufer zu gelangen. Keine Frage, dass ihm dies gelingen würde. Doch nach einigen Schlägen stellte er fest, dass er kaum von der Stelle kam und Mühe hatte, den Kopf über Wasser zu halten. Die Arme wurden schwerer und seine Bewegungen langsamer. Was machte er falsch? Er wechselte die Technik und begann, wie ein Hund Beine und Arme rhythmisch vor- und zurückzubewegen. Er hatte es oft im knietiefen Wasser geübt. Aber ihm fehlte der Instinkt eines Hundes. Jedenfalls bewegte er sich nicht wie ein Vierbeiner im Wasser.

Als er begriff, dass er nicht schwimmen konnte, was er stets geleugnet hatte, geriet er in Panik.

Über vierzig Jahre nach dem Nahtod-Erlebnis des Jos Klostermann teilt ihm ein anonymer Anrufer mit, man habe seine Frau entführt.

Damit beginnt der eigentliche Krimi. Klostermanns Anstrengungen, seine Frau zu befreien, ziehen jeden Leser in ihren Bann. Überraschende Wendungen lassen mal aufatmen, mal in neue Sorge versinken.

Der Gedanke, Anna freizubekommen, trieb ihn an. Sie lebte. Das spürte er. Als Jos Klostermann das Bankgebäude im Zentrum Stuttgarts betrat, war es 11:00 Uhr. Joachim Goldmann, der junge Banker sah nervös aus. Seine schwarzen, mit Festiger gestylten Haare, die ihm das Aussehen eines Nymphensittichs gaben, glänzten. Die kleine rote Warze unter seiner Nase leuchtete. Jos Klostermann drückte die Hand des jungen Mannes. Er war überrascht, wie feucht und kalt sie war. Der Banker wischte die Hand verlegen an seiner dunklen Hose ab. Sie betraten einen Nebenraum, in dem alles vorbereitet war. Geldscheine lagen fein säuberlich aufgehäuft auf dem Tisch. Eine junge blonde Frau lächelte schüchtern und entfernte sich auf klackernden Stöckelschuhen, als der Banker ihr ein Zeichen gab. Die Tür fiel zu. »Das Geld ist durch die Zählmaschine gegangen. Es ist genau eine Million, Herr Klostermann. Möchten Sie nachzählen?« Bankmanager Goldmann deute auf das Geld. »Eine Million«, sagte Jos Klostermann leise. Er war unschlüssig. Dann sagte er sich, dass das Geld bald der Bassstimme und seinen Komplizen gehören werde. Warum also nachzählen. In solchen Situationen musste man souverän sein und Vertrauen demonstrieren. Auch gegenüber Bankern, die die Welt in eine gigantische Wirtschaftskrise gezockt hatten. Er nickte Goldmann zu: »Ich würde das Duell mit der Zählmaschine verlieren«, sagte er und schaut den jungen Mann traurig an.

Gut und spannend geschrieben – mit einem überraschenden Schluss, bei dem Manfred J. Schmitz noch einmal alle Register des Thriller-Autors gezogen hat.

8 Exemplare in der Taschenbuchausgabe sind zum ursprünglichen Preis von 14,80 Euro (ggfs. zzgl. Versandkostenpauschale, sh AGB) sind noch auf Lager.


Wer kann schöner und anrührender vom Glück träumen als Christian Andersens Mädchen mit den Zündhölzern?

Man muss vom Schicksal hart getroffen worden sein – und man muss gelernt haben, sein Schicksal in Demut anzunehmen, dann gelingen die schönsten, reinsten Träume.

Morgen Eine Ewigkeit

Stephen Hawking – wer hat nie von ihm gehört oder gelesen – ist es mit seinen wissenschaftlichen Publikationen gelungen, vom Versagen seines Körpers abzulenken und die Frage: „Was mag in dem wohl vorgehen, wenn er über sich selbst nachdenkt?“, bei kaum jemandem überhaupt aufkommen lassen.

Was aber, wenn eine junge Frau, die glaubte, das volle Leben vor sich zu haben, mit der Tatsache konfrontiert wird, von einer ähnlichen, fortschreitenden, unheilbaren Krankheit befallen zu sein, die ein Leben ohne Assistenten, die 24 Stunden am Tag verfügbar sind, unmöglich macht?

Jule Blofeld (Psdeudonym) ist diese Frau, und ihre Protagonistin ist ihre Projektion. Eine Projektion, der das Glück im Leiden vergönnt ist.

Jule Blofeld konnte nicht mehr schreiben, als sie diesen Roman verfasst hat, sie musste ihre Sätze einer Helferin diktieren, sie sich wieder vorlesen lassen und die Korrekturen erneut diktieren. Für jemanden, der mit beiden Händen zehnfingerblind in die Tastatur schreibt schon in der Vorstellung eine zeitraubende, ermüdende Tortur …

Aber das Buch ist schön geworden. Ich verwende bewusst das Adjetiv „schön“, weil es ein authentisches Wort ist, kein von der Konkurrenz um den Kassenerfolg gehetzter Superlativ, sondern ein schönes, ruhiges und berührendes Buch.

Schämen Sie sich nicht, wenn Ihnen zum Schluss eine Träne über die Wange rinnt.

Prolog

Es ist ein diesiger, nebliger Morgen. In der Dämmerung lässt der Neuschnee nur noch vage Umrisse der Umgebung erkennen. Ein einsamer Baum steht als Ausläufer des weiter unten liegenden Waldes in meiner unmittelbaren Nähe. Er wirkt verloren, wie er so erstarrt zu sein scheint unter seiner Decke aus Eiskristallen. Fünf Meter unter mir das Meer. Wütend schlägt es an die ungeschützte Klippe und bäumt sich in rhythmischer Regelmäßigkeit gegen die kantige Felswand auf. Ich habe das beklemmende Gefühl, sie wehrt sich gegen eine nicht weichenwollende Macht und ich schaue einem hilflosen Kampf zu, der in sich lächerliche Züge birgt. Es ist erstaunlich, wie dieser Baum den unwirtlichen und feindseligen Lebensbedingungen trotzt und doch gewachsen ist.

Mein Blick wandert weiter, sucht die Grenze zwischen Himmel und Wasser. Ich kann sie nicht ausmachen,
alles ist verschmolzen zu einem gewaltigen, pappigen Meer, das sich sogar über meinen Kopf ausdehnt. Diese erdrückende Präsenz lässt mich erschauern und die wahren Kräfteverhältnisse erkennen. Das Meer frisst das Gestein, langsam und geduldig. Es ist unter der permanenten Bearbeitung porös und nachgiebig geworden. Der Baum streckt seine verschneiten Äste gen Himmel. So entsteht der Eindruck, als ob sich eisige Finger an die Unendlichkeit klammern, während den Wurzeln der sichere Halt entzogen wird. Ich betrachte die zerfurchte Klippe unter mir – sie sieht aus, als ob sie sich duckt und vor der übermächtigen Gewalt zu fliehen sucht.

Das Szenario kippt ins Bedrohliche und die Kräfte formieren sich neu: Ich stehe auf der Klippe und werde mit ihr untergehen. Meine eigene Standfestigkeit sehe ich bröckeln. Versteinerte Wurzeln geben der lauernden Macht stetig nach und werden von ihr umspült wie von Wasser.

Nicht das tosende, strudelnde Meer ängstigt mich, nicht das Unten Liegen.

Ich mag nicht fallen.

Die Panik vor dem Aufprall, vor dem unaufhaltsamen Sturz brandet in mir hoch und lässt mich die Augen schließen. Von dieser Bildhaftigkeit überwältigt drehe ich mich abrupt um und suche meine Spuren im Schnee, die mir den Rückweg zeigen. Doch unerwartet keimt ein Glücksgefühl in mir auf und ich bewege mich freudig auf die Ewigkeit zu.

„Morgen Eine Ewigkeit“ ist noch in 5 Exemplaren verfügbar. Die Hardcover-Ausgabe kostet 24,90 Euro (ggfs. zzgl. Versandkostenpauschale, sh AGB).


Noch etwas ganz anderes:

Ich habe ja über etliche Jahre die Bücher auch physisch selbst produziert. Nach und nach mit immer mehr professioneller Ausstattung für kleine Auflagen von Taschenbüchern in Heißleim-Bindetechnik.

Von diesen Gerätschaften will ich mich jetzt trennen.

Es handelt sich um eine

  • eine Heißleimbindemaschine Fastbind Elite, wie hier beschrieben
  • einen Stapelschneider Ideal 4305, wie hier beschrieben
    mit etlichen Ersatzmessern, Werkzeug-Kit und Untergestell,
  • eine Rillnak 52 Rillmaschine für den perfekten Falz, wie hier beschrieben

Sollten Sie jemanden kennen, ggfs. auch sich selbst, der an dieser Ausrüstung interessiert ist und bereit wäre, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen (ich denke an rund 2.500 Euro für alles), sowie die Gerätschaften in Elsendorf abzuholen, dann würde ich mich über eine Anfrage freuen, bevor ich Ende Februar damit bei Ebay antrete.