(3) Kinder- und Jugend

„Wann ist ein Mann ein Mann?“, fragt Herbert Grönemeier in einem seiner Songs, aber der Kinderbuchverleger hat eine viel schwierigere Frage zu stellen, nämlich: „Wann ist ein Kind ein Kind, und wie lange …?“

Ich bin mir erst in dieser Funktion darüber klar geworden, wie stark ausdifferenziert die Kindheit heutzutage gestaltet ist – und wie schnell sie endet.

Ich bin heute geneigt zu sagen: „Wer sich mit zwölf noch als Kind bezeichnen lässt, hat den Anschluss an die Gleichaltrigen schon verloren und läuft Gefahr, zum Mobbing-Opfer zu werden.“

Geschichten, wie die von den „Fünf Freunden“ von Enid Blyton können heute praktisch nicht mehr erzählt werden, weil es die Kinder, die solche Abenteuer erleben wollten, gar nicht mehr gibt. Die Kids sind keine Kinder, schon mit acht nicht mehr, sondern coole, kleine Erwachsene mit nur noch wenigen altersgemäßen Defiziten, die sich vor allem im physischen Bereich zeigen.

Als ich das erste Kinderbuch aus fremder Feder verlegt habe, nämlich die Geschichte „Hexen hexen heimlich“ von Nicole Engbers, glaubte ich noch, es gäbe Kinder, die als Zielgruppe in Frage kommen, als ich später die Geschichten von Mathias Meyer-Langenhoff „Die Hexe von Ameland“ und „Olli und die Hundefängerbande“ übernommen habe, glaubte ich immer noch, man könne Kinderbücher im „Fünf-Freunde-Stil“ verkaufen. Aber auch die haben letztlich gefloppt, wie „Pedro Hannusch und der Schatz an der Mühle“ von Ulf Kamzelak.

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Das ist das einzige der bisher erwähnten Bücher, von dem ich noch einige Exemplare übrig habe. Alle noch aus der Zeit, als ich Bücher noch selbst gedruckt und gebunden habe.

Ich, als Zehnjähriger, hätte dieses Buch begeistert verschlungen. Heute müsste man dieses Buch wahrscheinlich mit sieben oder acht Jahren lesen, doch da kommen die Hürden der Schulreformen + Smartphone, die kaum noch zulassen, dass Sieben- oder Achtjährige flüssig genug lesen könnten.

Fünfzehn Exemplare, im Schweiße meiner Füße produziert, nach wie vor zum Preis von 11,90 Euro zu haben. Wie schätzen Sie Ihren Enkel ein???

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Weg vom mit viel Fanatsie geschriebenen Abenteuer in einer realistischen Welt von Burgen, Geheimgängen, Fälscherwerkstätten, Dieben und Betrügern, denen aufgeweckte Kindern detektivisch nachforschen führt die Fantasy-Welle, die sowohl für Erwachsenen als auch für Kinder ganze, in sich geschlossene Welten hervorgebracht hat, von denen „Der Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ wohl die erfolgreichsten geworden sind.

Genau dieses Genre bedient Jenna Weigel, die ihren Helden, Louis Dreiberger in eine gefährliche Welt versetzt, wo er sich mit einer aufrecht gehenden zebragestreiften Ratte, namens Knisper, ein Mädchen, übrigens, in die wildesten Abenteuer stürzt. Hier die Rückseite des Buches.

… und so sieht die Vorderseite aus. Die Cover-Zeichnung ist dabei nicht die einzige colorierte Zeichnung in dem Buch. Ein Kind, das darin liest, bekommt klare Bilder einiger Figuren und Ereignisse, es bleibt aber genug Raum, um die Geschichte mit eigenen, kopfgemachten Bildern zu erleben.

„Der Auftrag des Traumwandlers“ ist noch mit knapp 100 Exemplaren auf Lager. Ein schönes, gut illustriertes Hardcover-Buch, das mit 16,90 Euro ganz bestimmt nicht zu teuer angeschrieben ist.

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Peter Mannsdorff

Das etwas andere Kinderbuch

Mit Peter Mannsdorff habe ich insgesamt drei Kinderbücher herausgebracht. Die beiden Bände, in denen Henriette die Protagonistin ist, unterscheiden sich dabei ganz erheblich vom dritten Titel, von dem ich sage: Damit ist der Spagat zwischen dem notwendigen kindgemäßen sprachlichen und stilistischen Ansatz einerseits und dem Anspruch der jungen Leser, in ihrer „Coolness“ angenommen zu werden, sehr gut gelungen.

Sira ist mit ihren Eltern nach Deutschland geflüchtet, geht gerne und mit gutem Erfolg zur Schule, während ihre Eltern im islamischen Glauben fest verwurzelt sind und gegenüber deutschen Sitten und Gebräuchen erhebliche Berührungsängste zeigen. Sira fühlt sich alleine und sucht einen Freund.

Jonas ist ein deutscher Junge im gleichen Alter, dessen alleinerziehende Mutter ihre Ressentiments gegenüber Flüchtlingen pflegt, doch Jonas hat einen Bruder, der – ohne es zu ahnen – Sira auf Jonas aufmerksam gemacht hat, so dass diese beschließt, Jonas zum Freund haben zu wollen.

In zartfühlender Weise beschreibt Mannsdorff die Schwierigkeiten, die sich für beide bei der gegenseitigen Annäherung ergeben, weil sie selbst mit ihren Unsicherheiten noch nicht gut umgehen können, aber auch die Schwierigkeiten, die sich aus den unterschiedlichen kulturellen Prägungen der Elternhäuser ergeben, so dass letztlich der ganze Flüchtlings-/Migrations-Konflikt kindgemäß aufbereitet auf dem Tisch liegt.

Als die beiden endlich ziemlich fest, aber in aller Unschuld zusammen sind, ereilt die Eltern Siras die Ausreiseaufforderung. Wie im richtigen Leben finden sich Helfer über Helfer, die sich für das Bleiberecht Siras und ihrer Familie einsetzen.

Doch es wird nichts, mit der Duldung. Jonas und Sira müssen Abschied nehmen. Aber es wird kein bitterer Abschied, weil Peter Mannsdorff den Knoten auflöst, indem er klar macht, dass sie dadurch ja nicht wie durch den Eisernen Vorhang des Kalten Krieges getrennt werden, sondern sich nicht nur Mails schreiben, sondern sich gegebenenfalls auch ins Flugzeug setzen können, und sich besuchen.

Die Hoffnung, dass SIRA mit dem Heinemann Friedenspreis des Landes NRW ausgezeichnet wird, hat sich zerschlagen. Aus dem vorsorglich angelegten Vorrat sind aber dennoch nur noch 24 Exemplare übrig, die zum Preis von je 14,80 Euro zu haben sind.

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Die Sternenpflückerin

Henriette ist die Sternenpflückerin. Sie ist Waise und lebt in einem Heim, doch es gelingt ihr immer wieder, sich nahezu vollkommen vom realen Außen abzukoppeln und sich in eine Innenwelt zu retten, in der sie die meisten Fäden selbst in der Hand hält, aber eben nur die meisten.

Ganz unmerklich lässt Mannsdorff in diese Geschichte die großen Fragen der Philosophie einfließen. Sie ergeben sich wie von selbst aus Henriettes Erleben. Was es möglich macht, dieses Buch mit acht Jahren begeistert über die lustigen Abenteuer zu lesen, und Jahre später mit ganz anderem Anspruch noch einmal.

Ähnlich ist es beim Folgeband „Henriettes Universum“. Obwohl die erzählte Geschichte vordergründig plakativer ist und eher eine jüngere als eine älter gewordene Henriette zum Vorschein bringt, sind die doppelbödig eingebauten Parallelen zu den Herausforderungen des realen Lebens deutlicher, der Appell an die Leser – ohne erhobenen Zeigefinger – eindringlicher.

Von beiden Titeln existieren bei mir noch je fünf Exemplare. Preis pro Stück: 16,90 Euro.

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Zum Vorlesen und Lesenlernen

Wer im Fernsehen einmal den Meister Eder und seinen Pumuckl gesehen hat, der kann sich einigermaßen vorstellen, was ein Kobold alles lustiges anstellen kann, auch wenn er nicht in einer Schreinerwerkstatt lebt, sondern ein „Buddelschiff“ bewohnt, also eines jener kunstvoll geschnitzten bemalten Segelschiffe, die mit voller Takelage in einer Flasche stecken und sich kaum jemand vorstellen kann, wie die durch den engen Flaschenhals dahinein geraten sind.

Uwe Broscht mit Lesungen aus den beiden Kobold-Büchern in vielen Volkschulen Begeisterungsstürme unter den Erst- und Zweitklässlern ausgelöst – und weil die wiederum die Bücher kaufen sollten, mussten sie preiswert sein, also als Taschenbücher erscheinen.

„Bodo, der Buddelschiffpirat“, liegt noch in 9 Exemplaren im Lager, von „SOS, Buddelschiffkobolde über Bord“ habe ich noch 58 Exemplare. Beide Bände sind voneinander unabhängig geschrieben, man muss also ganz bestimmt nicht den ersten Band besitzen, um den zweiten verstehen zu können. Pro Exemplar werden 9,90 Euro fällig.

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